Money Management für Coaches: Ein realistischer Einstieg ohne Druck

Money Management.
Für viele Coaches ist das ein Thema, das sich schwer anfühlt, noch bevor sie sich überhaupt näher damit beschäftigen. Nicht selten entsteht schon beim Lesen dieser zwei Worte ein inneres Zusammenziehen – irgendwo zwischen Unsicherheit, Widerstand und dem Wunsch, sich lieber erst einmal mit etwas anderem zu beschäftigen.

Das liegt meiner Erfahrung nach nicht daran, dass Coaches schlecht mit Geld wären oder etwas Grundlegendes nicht verstanden hätten. Sondern vielmehr daran, dass Geld für viele von uns emotional aufgeladen ist. Mit Angst, mit Druck, mit Scham oder mit dem Gefühl, ständig etwas falsch zu machen.

Ich möchte Money Management hier anders betrachten. Nicht als etwas, das kontrolliert oder einengt, sondern als etwas, das dir Orientierung geben darf. Pragmatisch, ruhig und realistisch – ohne Hustle-Narrative, ohne moralische Bewertung und ohne spirituelles Wegatmen von ganz realen Zahlen.

Warum Geld im Coaching-Business oft so überfordernd wirkt

In den letzten Jahren habe ich viele Coaches begleitet, die sich kaum trauen, ihre Konten zu öffnen oder sich einen ehrlichen Überblick über ihre finanzielle Situation zu verschaffen. Obwohl sie wissen, dass es wichtig wäre. Obwohl sie spüren, dass Klarheit entlasten könnte.

Das hat nichts mit Faulheit zu tun. Und auch nichts mit mangelnder Disziplin. Häufig ist es schlicht Überforderung.

Geld wird im Online Business oft auf zwei sehr extreme Arten behandelt: Entweder hochgradig verkopft, mit komplexen Berechnungen, Prognosen und einem impliziten Leistungsdruck. Oder sehr stark emotionalisiert, nach dem Motto: Wenn du im Mangel bist, bist du innerlich nicht richtig ausgerichtet.

Beides führt selten zu echter Sicherheit. Und genau hier setzt mein Ansatz an.

Money Management als Selbstfürsorge

Für mich ist Money Management kein Instrument, um mich oder mein Business zu kontrollieren. Es ist eine Form von Selbstfürsorge. Denn Klarheit darüber zu haben, was dein Leben kostet, was dein Business kostet und was realistisch zu dir kommen darf, wirkt regulierend auf dein Nervensystem.

Es geht nicht darum, alles perfekt zu planen oder jede Ausgabe zu optimieren. Es geht darum, ehrlich hinzuschauen – in deinem Tempo, auf eine Art, die sich für dich machbar anfühlt. Allein das kann bereits unglaublich viel Druck rausnehmen.

Warum mehr Umsatz nicht automatisch mehr Sicherheit bedeutet

Ein weit verbreiteter Gedanke im Online Business ist: Wenn ich erst einmal Summe X im Monat verdiene, dann wird sich alles sicher anfühlen. In der Praxis zeigt sich jedoch oft etwas anderes. Mit steigendem Umsatz wachsen häufig auch die Fixkosten, die Verantwortung und die innere Anspannung.

Sicherheit entsteht nicht allein durch eine bestimmte Zahl auf dem Konto. Sie entsteht durch das Zusammenspiel von Geld, Zeit und Kapazität. Wenn einer dieser Faktoren nicht mitgedacht wird, gerät das System schnell ins Wanken.

👉 Wie viel Geld du als Coach wirklich brauchst – jenseits von Wunschdenken

Gamechanger: Geld, Zeit und Kapazität gemeinsam betrachten

Ich erlebe es immer wieder, dass Coaches sehr klare finanzielle Ziele haben, aber kaum einschätzen können, ob diese Ziele zeitlich überhaupt realistisch sind. Wie viele Stunden stehen dir tatsächlich zur Verfügung? Wie viel Energie bleibt nach Job, Alltag und Leben? Und wie viele Aufgaben gehören neben der Arbeit mit Klient*innen eigentlich noch zum Business dazu?

Wenn diese Fragen unbeantwortet bleiben, entsteht fast automatisch innerer Druck. Nicht, weil du etwas falsch machst, sondern weil Erwartungen und Realität nicht sauber aufeinander abgestimmt sind.

👉 Zeit, Energie und Kapazität im Online Business realistisch einschätzen

Es gibt keinen richtigen Weg – nur deinen passenden

Ein Punkt, der mir besonders wichtig ist: Es gibt im Money Management kein besser oder schlechter. Manche Menschen brauchen einen gewissen Druck, um in Bewegung zu kommen, und entscheiden sich bewusst dafür, sehr schnell all-in zu gehen. Andere brauchen mehr Sicherheit, um kreativ zu werden, und starten nebenberuflich oder mit einem zusätzlichen Einkommensanker.

Beides ist legitim. Und beides darf genau so sein.

👉 Finanzieller Druck in der Selbstständigkeit – wie viel ist gesund für dich?

Money Management ist ein Lernprozess

Wenn ich dir aus diesem Artikel eine Sache mitgeben möchte, dann diese: Du machst das alles zum ersten Mal. Du darfst lernen, ausprobieren, anpassen und deinen Weg Schritt für Schritt finden.

Nicht erreichte Ziele sind kein Beweis dafür, dass du es nicht kannst. Sie sind oft ein Hinweis darauf, dass deine Planung noch liebevoller, realistischer oder passender werden darf.

👉 Warum du dein Business nicht falsch machst – sondern gerade lernst


Möchtest du das Thema lieber hören?

Falls dir Lesen gerade schwerfällt oder du Inhalte lieber auditiv aufnimmst: Ich habe zu Money Management, finanziellem Druck sowie Zeit und Kapazität eine ausführliche Podcastfolge aufgenommen. Darin teile ich sehr offen meine eigenen Erfahrungen und spreche darüber, warum Pragmatismus oft mehr Sicherheit schafft als jede „perfekte“ Strategie.

Hier geht’s zur Podcastfolge „Geld x Selbstständigkeit: meine kraftvollsten Tipps“

 

Zum Schluss

Wenn dieses Thema gerade viel in dir bewegt, dann darf das so sein. Du musst da nicht alleine durch, und du musst es dir nicht schwerer machen, als es ohnehin schon ist. Money Management darf dir dienen. Es darf dich stabilisieren, statt dich unter Druck zu setzen.

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Was in deinem Business bleiben darf – und was du loslassen solltest, wenn du wachsen willst

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